Der Lebenszyklus von Weblogs der Marke "Online-Tagebuch" sieht häufig so aus, dass nach ein paar Tagen bzw. Enträgen auch schon wieder Schluss ist. Wie der letzte Ausflug ins Grüne war, warum die Lisi mit ihrer neuen Clique nicht zurecht kommt oder wer sich in der Disco zuletzt bis auf die Knochen blamiert hat, das interessiert halt ziemlich sicher nur einen sehr kleinen Personenkreis. Wenn dann der Aufwand dem Nutzen gegenübergestellt wird, heißt es für das Online Tagebuch ganz schnell R.I.P.
Wie aber ergeht es Weblogs, die von Unternehmen als Kommunikationsinstrument eingesetzt werden? Eine nähere Betrachtung einiger österreichischer Corporate Blogs zeigt, dass es zwischen den Online-Tagebüchern von Mimi und Maxi und klassischen Corporate Blogs teils frappierende Parallelen gibt. Nicht selten schlafen nämlich auch Corporate Blogs ein.
Einige Beispiele: Das Ja! Natürlich Blog, das Paradebeispiel eines gut funktionierenden Corporate Blogs, wurde zuletzt am 7. August 2006, sprich vor mehr als einem Monat aktualisiert. Ein Blick auf Technorati zeigt, dass das Blog binnen relativ kurzer Zeit 25 Links unter anderem von A-Bloggern wie Klaus Eck verbuchen konnte. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Präsenz des Ja! Natürlich Blogs in der Presse und den Jubelbotschaften der Blog-Macher Download Infotext.pdf , frage ich mich, warum das Blog nicht weiterverfolgt wird. Auch das Treffpunkt Wärmetechnik-Blog wurde seit nunmehr 18. Juli 2006 nicht mehr aktualisiert. Zwar hat es laut Technorati noch nicht den Verlinkungsgrad des Ja! Natürlich Blogs erreicht. Und doch ist es schade. Es wird nicht mehr lange dauern und wir alle werden wieder heizen und lüften und uns über die wie immer viel zu hohe Betriebskostenabrechnung ärgern. Ein Corporate Blog das sich mit diesen Fragen auseinadersetzt wäre dann Goldes wert und das dahinter stehende Unternehmen fein raus. Ein anderes Beispiel: Das A1 Weblog der Technischen Universität Wien wurde zuletzt irgendwann 2005 upgdatet. Das Logo des Österreichischen Mobilfunkanbieters A1, der Nr. 1 am heimischen Telekommunikationsmarkt, schaut irgendwie traurig auf das verwaiste Blog. Und die Eintrittshürden, die rund um das Teeblog des Wiener Teehauses Demmner aufgebaut werden, sind so dermaßen hoch, dass einem die Lust auf Dialog schnell auch wieder vergeht. Markus Pirchner hat einmal geschrieben, dass es sich mit Weblogs verhalten würde wie mit Murmeltieren. Ein wenig Sonne und Futter und sie pfeifen wieder. Und genau das wünsche ich auch den derzeit gar so stillen Österreichischen Corporate Blogs.
PS: Mir ging es in diesem Posting absolut NICHT darum, Unternehmen ans Bein zu pinkeln. Ich möchte vielmehr über die Gründe diskutieren, die dafür verantwortlich sind, dass manche Corporate Blogs einschlafen, nicht weiterverfolgt werden oder gar offline gehen.

