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Samstag, 09. September 06

Wenn Corporate Blogs sanft entschlafen

Der Lebenszyklus von Weblogs der Marke "Online-Tagebuch" sieht häufig so aus, dass nach ein paar Tagen bzw. Enträgen auch schon wieder Schluss ist. Wie der letzte Ausflug ins Grüne war, warum die Lisi mit ihrer neuen Clique nicht zurecht kommt oder wer sich in der Disco zuletzt bis auf die Knochen blamiert hat, das interessiert halt ziemlich sicher nur einen sehr kleinen Personenkreis. Wenn dann der Aufwand dem Nutzen gegenübergestellt wird, heißt es für das Online Tagebuch ganz schnell R.I.P.

Wie aber ergeht es Weblogs, die von Unternehmen als Kommunikationsinstrument eingesetzt werden? Eine nähere Betrachtung einiger österreichischer Corporate Blogs zeigt, dass es zwischen den Online-Tagebüchern von Mimi und Maxi und klassischen Corporate Blogs teils frappierende Parallelen gibt. Nicht selten schlafen nämlich auch Corporate Blogs ein.

Einige Beispiele: Das Ja! Natürlich Blog, das Paradebeispiel eines gut funktionierenden Corporate Blogs, wurde zuletzt am  7. August 2006, sprich vor mehr als einem Monat aktualisiert. Ein Blick auf Technorati zeigt, dass das Blog binnen relativ kurzer Zeit 25 Links unter anderem von A-Bloggern wie Klaus Eck verbuchen konnte. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Präsenz des Ja! Natürlich Blogs in der Presse und den Jubelbotschaften der Blog-Macher Download Infotext.pdf , frage ich mich, warum das Blog nicht weiterverfolgt wird. Auch das Treffpunkt Wärmetechnik-Blog wurde seit nunmehr 18. Juli 2006 nicht mehr aktualisiert. Zwar hat es laut Technorati noch nicht den Verlinkungsgrad des Ja! Natürlich Blogs erreicht. Und doch ist es schade. Es wird nicht mehr lange dauern und wir alle werden wieder heizen und lüften und uns über die wie immer viel zu hohe Betriebskostenabrechnung ärgern. Ein Corporate Blog das sich mit diesen Fragen auseinadersetzt wäre dann Goldes wert und das dahinter stehende Unternehmen fein raus. Ein anderes Beispiel: Das A1 Weblog der Technischen Universität Wien wurde zuletzt irgendwann 2005 upgdatet. Das Logo des Österreichischen Mobilfunkanbieters A1, der Nr. 1 am heimischen Telekommunikationsmarkt, schaut irgendwie traurig auf das verwaiste Blog. Und die Eintrittshürden, die rund um das Teeblog des Wiener Teehauses Demmner aufgebaut werden, sind so dermaßen hoch, dass einem die Lust auf Dialog schnell auch wieder vergeht. Markus Pirchner hat einmal geschrieben, dass es sich mit Weblogs verhalten würde wie mit Murmeltieren. Ein wenig Sonne und Futter und sie pfeifen wieder. Und genau das wünsche ich auch den derzeit gar so stillen Österreichischen Corporate Blogs.

PS: Mir ging es in diesem Posting absolut NICHT darum, Unternehmen ans Bein zu pinkeln. Ich möchte vielmehr über die Gründe diskutieren, die dafür verantwortlich sind, dass manche Corporate Blogs einschlafen, nicht weiterverfolgt werden oder gar offline gehen.

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Folgende Weblogs beziehen sich auf Wenn Corporate Blogs sanft entschlafen:

Kommentare

Hallo Ed,
war das schon das vorweggenomme Wort zum Sonntag? :-) Danke fürs Aufgreifen dieses Themas! Schöner trauriger Beitrag, da muss ich doch glatt was dazu schreiben... Schöne Grüße!

Die große Gefahr, dass weblogs sanft dem Dornröschenschlaf verfallen, liegt im unerwarteten permanenten workflow, der für die meisten werbetreibenden User zur Belastung wird. Werbestrategien werden allzuoft von kurzfristigen Maßnahmen gestützt - mit einem Beginn und einem Ende. Es liegt nun beim Werbe- und PR-Berater das junge Kommunikationsinstrument Internet (Anmerkung des Autors, weil das Internet erst durch solcherlei Features an Bedeutung für die Kommunikationsbranche wurde) nicht nur zu verkaufen, sondern vor allem bei den Kunden von Corporate Blogs eine Kommunikationskultur einzuführen. Der Nutzen von Corporate Blogs wird recht rasch erkannt, aber was tatsächlich dahinter steckt (auch der damit verbundene Aufwand), wird nicht selten unterschätzt. Es ist kein Folder oder Katalog der einmal produziert und dann verteilt wird - es ist ein permanent zu aktualisierendes Medium, welches aktuell zu halten ist. Eine zu erlernende Kommunikationskultur ist das Fundament für die nachhaltige Wirkung eines Corporate Blogs.

Wir bauen daher Corporate Blogs nach einem 3-Phasen-System auf, um diese Nachhaltigkeit sicher zu stellen. Gemeinsamer Aufbau der Plattform mit der obersten Managementebene, Präsentation und Schulung in der Teilöffentlichkeit Mitarbeiter und schließlich die Umsetzung einer umfassenden PR-Arbeit, um rund um das Blog ein Netzwerk aufzubauen. Am Corporate Blog Treffpunkt Waermetechnik.at werden wir den Erfolg dieser Umsetzung dokumentieren und gerne darüber informieren.

Es ist unser Ziel, und daher bin ich auch ganz Ihrer Meinung, in das Marketinggeschehen implementierte Blogs nicht einschlafen zu lassen. Zumal ich als recht junger Blogger der Meinung bin, dass das mittlerweile für die Werbe- und Kommunikationswelt von Marken und Unternehmen wieder eingeschlafene Instrument Internet durch das weblog langsam geweckt werden kann. Corporate Blogs stellen durchaus einen echten Wettbewerbsvorteil dar, weshalb vielen zu wünschen ist, dass sie den Einstieg nicht verschlafen.

Danke für das gute Gespräch!

Hallo Herr Mörth! Ganz ihrer Meinung. Irritiert war ich lediglich über ihren Kommentar im Anders denken Blog von Johannes Treichl
http://www.hannestreichl.com/index.php/corporate_blogs__oesterreich/
wo es unter anderem heißt: "Im Falle des Treffpunkt Wärmetechnik-Blogs wurde zum Beispiel als erster Schritt das Weblog im Design fertiggestellt und mal online gestellt. Der zweite Schritt ist, dass intern im Unternehmen die Mitarbeiter und zukünftigen Autoren zum “Bloggen” motiviert werden. Und der dritte und letzte Schritt ist die Veröffentlichung und Bewerbung in den Medien."

Hm... Hier würde ich sagen, dass ich mir zuerst Blogger (Verbündete) im Unternehmen suche, sie dann entsprechend briefe und schule und mit dem Blog erst dann online gehe. Dies deshalb, um gleich von vorne herein falsche Hoffnungen und Erwartungen ausschließen zu können und das reibungslose Funktionieren des Blogs bestmöglich sicherzustellen. Dass ein Corporate Blog in die KOmmunikationsstrategie eines Unternehmens - leider oftmals gar nicht oder lediglich bruchstückhaft bekannt - "eingelassen" sein muss, liegt auf der Hand. Der von Ihnen Angesprochene Aspekt "Kommunikationskultur" scheint mir hier ganz besonders wichtig zu sein. Wenn diese nämlich nicht in Richtung eines offenen und gleichberechtigten Dialogs unter Einbeziehung aller an das Unternehmen andockenden Zielgruppen geht, dann macht ein Corporate Blog wahrscheinlich keinen Sinn. Und das sollte einem potentiellen Kunden gegenüber im Erstgespräch auch entsprechend transportiert werden. Aber da sind wir bestimmt einer Meinung. Danke jedenfalls fürs Reinschaun!

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  • Mag. Ed Wohlfahrt ist selbstständiger PR-Berater in Klagenfurt (Österreich), ehemaliger Obmann des Vereins der Kärntner Freunde des Internets sowie Mitveranstalter der BarCamps Kärnten 2007, 2008 und 2009.

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