So ein BarCamp wie jenes vergangenes Wochenende am Traunsee muss abhängen wie guter Speck. Ich bin mitten drin, über die Gespräche und Sessions, Worte, Gesten und Signale nachzudenken, die ich hier einsammeln durfte. Ich bin sehr dankbar darfür, dass es diese offenen Veranstaltungsformate gibt und sich immer wieder auch Menschen finden, die Bock haben, ihr Wissen mit anderen zu teilen.
Ein Ding spukt mir seit meiner Session (sie war zu frontal und spärlich dialogisch, ich mach wohl eindeutig zu viele Workshops derzeit...) am Freitag im Kopf herum: Sind PR egal ob online oder offline, sind strategische Online Kommunikation und Online Marketing genuin böse, ja oder nein?! Vorweg: Ich sehe mich persönlich sehr stark geprägt durch die 95 Thesen des Cluetrain Manifestos. Folglich geht es mir auch online um Transparenz und Kommunikation auf Augehöhe. Wer andere an der Nase herumführt, wordurch auch immer, verliert, in der Kommunikation face-to-fake ebenso wie in der klassichen PR oder meinetwegen der newPR, CluetrainPR oder wie wir das Kind im Bade immer nennen wollen, ohne es jedoch mit eben diesem auszuschütten.
Was mir auffällt, ist, dass es eine Tendenz gibt, strategische Kommunikation in welcher Form auch immer als böse oder als zumindest in Teilbereichen als unredlich hinzustellen. So nach dem Motto: Alle NLP geschult, alle brainwashed und mit allen Wassern gewaschen. Und alle irgenddwie mit Vorsicht zu genießen. Ja, es gibt Leute, die faken und noch andere schreckliche Dinge tun. Ja, diese Leute gibt es auch in der PR. Sie tun dies und das, treiben sich in Foren herum, verarschen hier und verkaufen da. Das negative Image kommt so wie von alleine. Klar.
Was ist aber mit denen, die nicht in diese Schublade passen, die zwar meinetwegen für Unternehmen in Foren kommunizieren, dies aber mit offenem Visier tun, die zB bei einem Journalisten anrufen und ihm sagen, ich rufe an für den Kunden XY, die ethische Grundsätze haben und nicht daran denken, sie täglich aufs neue zu unterschreiten. Was ist mit denen, die sich täglich bemühen, seriös zu arbeiten, richtig zu handeln und nicht den leichten Weg zu gehen. Sind die auch böse? Spamen die auch? Kommunizieren die auch noch, obwohl ihnen schon lange niemand mehr zuhört? Woher kommt dieses Image, das ich hier förmlich mit Händen greifen kann (oder mir das zumindest felsenfest einbilde)?
Ich bin für PR ohne fahlen Nachgeschmack. Ich bin für Online Kommunikation mit offenem Visier. Ich bin für ethische Standards und gegen Borderline-Praktiken und ich bin gegen Kunden, die genau das von mir wollen. Vorher esse ich Kartoffeln, trinke Wasser und lebe im Zelt. Ich bin aber auch dafür, nicht scheel angesehen zu werden, weil meine Arbeit Kommunikation, PR und Marketing ist. Ich bin es leid, für jene schwarzen Schafe herhalten zu müssen, die einfach reden ohne zuzuhören, die spamen, faken, die kassieren und sagen, hinter mir die Sintflut. Ja die gibt es. Aber bitte machen wir es uns nicht so einfach, alles, wo "Public Relations" draufsteht in diesen einen Topf zu werfen. Das hat noch nie funktioniert. Und warum sollte es das gerade hier?!

