"Web 2.0: Große PR-Kampagnen sind überflüssig geworden" so steht es im von mir sehr geschätzten Newsletter des PR-Journals (das irgendwie keiner zu lesen scheint, warum gibt es hierzu noch immer keine Kommentare??!). Kein Fragezeichen, kein entschärfender Untertitel. Einfach so. Man könnte denken, dass dies einfach so hingeschrieben wurde, wie es gemeint ist. Hm... Im Artikel selbst wird dann auch Markus Hübner von Brandflow zitiert. Wie ich gerade über Twitter von ihm höre, leider nur nicht richtig. Ja, das soll vorkommen. Ist aber gut, dass ich das jetzt weiß: Das Zitat lautet:
das ist verkürzt. Gemeingefährlich würde ich sagen. Markus' unverkürzte Aussage lautet nämlich
und damit kann ich ja schon mal viel besser leben wie mit der verkürzten Fassung. Sauer stößt mir bei dem Interview, oder sagen wir es so, beim darüber verfassten Artikel auf, dass Social Media hier meiner Meinung nach als Transportkanal in eine Richtung dargestellt werden. So nach dem Motto: Firmen können sich sozialer Medien dafür zunutze machen, ihre oder ihnen als genehm erscheinende Themen zu verbreiten. Und mich kotzt an, wenn Firmen genau dies tun. Die haben nämlich so rein gar nichts verstanden, meinen aber, dass sie voll trendy mit dabei sind im sozialen Web. In diese Richtung beispielsweise lese ich folgende Aussage:
Das ist natürlich richtig. Meiner Meinung nach aber brandgefährlich, da hiermit auf Seiten der klassischen Agentur-Denker schnell der Eindruck entstehen könnte, das ganze Social Web Vehikel eh schon wieder verstanden zu haben. Pitsch-Patsch! Weiter zum Tagesgeschäft! Das Gegenteil ist der Fall. Und ich vertrete nach wie vor die Ansicht, dass viele Agenturen die durch Social Media entstandene neue Kommunikationsumgebung und die für sie daraus erwachsenen neuen Aufgabenstellungen noch nicht annähernd begriffen haben.
Aber zurück zum vollständigen Zitat und zur Frage, ob PR-Kampagnen im kassischen Sinne durch Social Media wirklich außer Mode gekommen sind. Es ist natürlich fetzig, so zu argumentieren. Aber ist hier nicht der Wunsch Vater des Gedankens?
Ich danke, dass heute und auch weiterhin Milliardenbeträge in Public Relations Maßnahmen gepumpt werden. Warum? Weil PR als Dienstleistung nachgefragt wird, es dafür also einen Markt gibt. Neues Internet hin oder her. Wie nachhaltig PR handelt, wie sehr oder besser wie wenig sie mit ihren Botschaften integrierend hadelt, wenn sie den neuen Rahmen in dem sie heute mit Dialogpatnern interagieren soll, so wenig mitdenkt, ist eine andere Sache.
Ich denke, dass PR Kampagnen bzw. PR Kampagnen im klassischen Sinne nach wie vor ihre Berechtigung haben und auch weiterhin haben werden. Ja, wir leben in vernetzten Zeiten aber fragen wir uns doch hin und wieder auch mal, in welcher Zeit viele unserer Dialogpartner leben. Mir tut das manchmal sehr gut und schärft meine Sinne.
Klar redet der PR-Manager heute nicht mehr "nur" mit Journalisten. Die Akteure, die Ansprech- und Dialogpartner strategischer Kommunikation (oftmals Desinformation...) haben sich diversifiziert und wollen dennoch oder gerade deshalb! individuell adressiert werden. Und wenn mir jemand erzählt, Social Media Releases wären in erster Line für Journalisten gedacht, den muss ich sowieso auslachen. Aber schauen wir uns diesen, für die klassische PR so überaus wichtigen Stakeholder, den Journalisten, einmal genauer an. Wenn wir das nämlich tun, werden wir erkennen, dass große PR-Kampagnen 2008/2009 längst nicht ausgedient haben. Noch nicht.

