Darauf, dass die PR-Zukunft maßgeblich digital geprägt sein wird, habe ich hier am Blog bereits mehrfach hingewiesen. Nun bekam ich von Philipp Weber-Diefenbach von der deutschen Agentur Index freundlicherweise die Index Expertenbefragung 2009 zur Verfügung gestellt, die sich genau mit diesen Themen auseinandersetzt. Agenturleiterin Franziska Berge schreibt im Vorwort bezugnehmend auf die Ergebnisse der Untersuchung, dass
"Online-PR bereits heute ein selbstverständlicher und gewichtiger Bestandteil der Kommunikationsarbeit ist. In naher Zukunft wird wohl kaum ein Unternehmen ohne entsprechende Aktivitäten auskommen."
Sehen wir uns die Ergebnisse der Studie - deren für mich einziger, jedoch gravierender Wermutstropfen in der geringen Anzahl der Befragten (n=137) liegt - im Einzelnen an.
Nach diesen Zahlen zu schließen, spielt die Online-PR in der täglichen Kommunikationsarbeit von PR Agenturen bereits jetzt eine überaus wichtige Rolle. Und darf man den Ergebnissen glauben, so wird die Bedeutung von Online-PR in der Kommunikationsarbeit der nächsten Zeit massiv zunehmen.

Die wichtigsten Kanäle für die Kommunikaitonsarbeit verwundern wenig. Wer kann mir sagen, was "Mobiles Internet" hier bedeuten könnte? Dass Micro Blogging - obwohl es derzeit so stark abgefeiert wird - von den PR-Verantwortlichen als Kanal eher nachrangig eingeschätzt wird, verwundert ein wenig. Gerade hier liegt imho nämlich irrsinnig großes Kommunikations-Potential. Nach der Studie zu schließen, liegt es derzeit (noch) brach.
Interessant weiters auch die vorgenommene Unterscheidung zwischen "Unternehmens-Blogs" (als Kanal für 37% wichtig) und "Blogs von Dritten" (als Kanal für 21 % bedeutsam). Könnte man diesen Umstand dahingehend interpretieren, dass Blogs in den Augen der 37% ein wichtiger Kanal sein könnte, um die eigenen Messages bzw. die der Kunden raus zubringen? Kann es sein, dass wir alle immer tendenziell noch mehr an der Verlautbarung als dem nervenaufreibenden und ressourcenverschlingenden online Dialog auf Augenhöhe hängen? Gegen diese meine Einschätzung wiederum würde sprechen, dass der Social Media Release (von einigen Agenturen als Verlautbarungsmedium 2.0 missverstanden)als Kanal für bloß 15 Prozent der Befragen wichtig ist, eher weiter hinten rangiert.
Dass Social Media Tools vom Kosten-Nutzen-Aspekt her gut abschneiden liegt auf der Hand. Natürlich nur dann, wenn sie entsprechend zielgerichtet in die Gesamtkommunikation Eingang finden.
Dass die Wahrnehmbarkeit hier ganz oben rangiert wundert ich auch. Kann es sein, dass dieser Umstand damit zu tun hat, dass es für viele weniger darum geht, am Dialog teilzunehmen als statt dessen die Botschaften möglichst breit zu streuen (Stichwort: Eyeballs)? Auch der Unklare Nutzen scheint darauf hinzuweisen, dass vielen nicht hinreichend klar ist, dass die online Kommunikaiton, der hier stattfindende Aufbau von Dialogbeziehungen ja mit passion based audiences erfolgt, was eine möglichst breitflächige Wirkung im Sinne von Catch-all so gut wie ausschließt. Wie sehen das die hier versammelten PR-Auskenner?

Spannend last but not least auch die Frage, wer Online-PR Maßnahmen letztendlich durchführt. Nur 22 % der Befragten machen sich hier selbst "die Hände schmutzig". 22% sind imho ganz schön wenig. Dann nämlich, wenn wir uns nochmals vor Augen führen, wie wichtig die Branche Online-PR offenbar einschätzt. Meiner Meinung passt das irgendwie nicht zusammen. Ist das jetzt wichtig und will sich die PR nun damit selbst beschäftigen, weil PRler online PR Maßnahmen als notwendig, unabdingbar, etc. erachten, oder lassen wir dann, wenn es darauf ankommt doch die anderen machen? Fragen über Fragen. Schönes Wochenende!