Ich habe es getan. Ferngesehen. Gestern Abend. Und, als ob das nicht schlimm genug gewesen wäre, habe ich noch eines drauf gesetzt und mir den ORF Report reingezogen. In einem Bericht ging es um den Dioxin-Fleisch-Skandal im Zuge dessen mit dem Seveso-Gift verseuchtes Schweinefleisch aus Irland in Österreich zum Verkauf kam. Sagen wir es so: Von uns allen am Würstelstand, zu Hause am Teller, im Restaurant oder sonst wo verzehrt wurde. Man lasse sich diesen Umstand doch bitte mal auf der Zunge zergehen! Ich weiß schon: Würde ich kein Fleisch essen, hätte ich all diese Probleme nicht. Auch müssten dann für einen (mündigen) Konsumenten weniger Tiere kreuz und quer durch Europa gekarrt werden... aber darauf will ich nicht hinaus.
Hinaus will ich darauf, dass der ORF zwei Diskutanten geladen hatte. Einer davon,
DI Dr. Wolfgang Pirklhuber, Landwirtschaftssprecher der Grünen Österreich, der andere, Dr. Reinhard Kainz, seines Zeichens unter anderem G
eschäftsführer der Bundesinnung der Fleischer Österreichs. Vorweg: Ich kenne die Wirtschaftskammer und habe als Einpesonenunternehmer in Kärnten durchwegs positive Erfahrungen mit ihr machen dürfen. Außerdem kann ich einen gewissen ÖVP-Stallgeruch kaum abstreiten. War ich dort doch einige Jahre lang als Pressesprecher tätig. Soviel dazu.
Auf die Frage des Moderators, Johannes Fischer, warum es noch immer möglich sei, ausländisches Fleisch in Österreich umzupacken und dann "Qualität aus Österreich" draufzuschreiben, konnte Kainz keine klare Antwort geben. Wobei, das stimmt eigentlich nicht. Kainz argumentierte, dass diese gängige Praxis völlig in Ordnung gehe, da ja die Wertschöpfung und die Arbeitsplätze und was weiß ich noch alles in Österreich anfalle.
Ich halte diese Art der Argumentation schlichtweg für einen Skandal und das Vorgehen Kainz' als ein Beispiel für Standespolitik der übelsten Sorte. Ich bin Konsument. Und ich kann mir nicht erklären, wie die Österreichische Wirtschaftskammer bzw. einer ihrer Vertreter so dermaßen dummdreist, da ja in Wirklichkeit gegen die Verbraucher gerichtet, argumentieren darf. Geht es um eine Handvoll fleischverarbeitender Betriebe oder darum, dass Konsumenten - HALLO, das sind wir! - an der Nase herumgeführt werden, dass ihnen Fleischprodukte angeboten werden, die nachweislich nicht aus Österreich stammen und auf denen trotzdem "Qualität aus Österreich" oder ein anderer Schmarren draufstehen darf? Wir sind die Konsumenten, wir haben die Macht (Brieftasche!) und wir sollten einer solchen Interessensvertretung klar und deutlich sagen: SO NICHT! Wer das tun will ist hier richtig: Kontaktseite
Dr. Reinhard Kainz (Wirtschaftskammer Österreich).
PS: Ich sehe gerade: Ist denen nicht diese genial bescheuerte Kampagne "Was steckt heute im roten Sack" eingefallen "Vom Fleischer schmeckts am besten..." klingt mir hier noch negativ in den Ohren. Ich meine wer solche TV-Werbung schaltet, der frühstückt doch bestimmt Dioxinfleisch, oder?!
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