Dienstag, 09. Juni 09

San Francisco setzt auf Twitter

Customer Care wäre die neue PR hörte oder las ich unlängst irgendwo im Netz. Was das für Unternehmen bedeutet liegt auf der Hand. Lauscher aufmachen, Onliner abholen und, wer weiß, vielleicht ein Geschäft machen. Vielleicht fängt ja nicht nur der frühe Vogel sondern auch der, der besser zuhört als andere den Wurm. Ist jetzt wahrscheinlich nicht das Thema für den Installateur um die Ecke aber große Unternehmen tun gut daran, dass sich zuhören lohnt, möchte man zufriedene Kunden. Spontan fallen mir Internetprovider, Gerätehersteller oder Mobilfunkanbieter ein, die, wenn sie online zuhören (würden) wirklich einfach und kostengünstig glückliche Kunden produzieren könnten. Den zB. der zu Hause sitzt und sich über die neu erworbene Datenkarte ärgert. Bekanntlich bleibt dieser Ärger nicht nur auf die eigenen vier Wände beschränkt. Er dringt nach außen und manifestiert sich auf Facebook, Twitter, auf Bewertungsseiten oder Blogs. Soviel zur Vorgeschichte (und zum Warm-Schreiben...)


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Die Starverwaltung von San Francisco hat das - wie ich im PCMAG lese - alles schon verstanden und schickt nun 311 ihrer MitarbeiterInnen ins Twitterversum, um hier zuzuhören und kleine und größere Probleme zu lösen. Über diese Page, eingerichtet auf der offiziellen Stadt-Homepage können sich Bürger registrieren und dem San Franciscoer Twitterati folgen. Dass der Kanal 24/7 offen ist, sei nur nebenbei erwähnt!

Man stelle sich das doch mal für Wien, Graz oder Klagenfurt vor. Der Bürgermeister von San Francisco ist davon überzeugt, dass sich mit dem Projekt die Art und Weise ändert, mit der die Bürger mit ihrer Verwaltung interagieren. Und ohne die Erwartungen zu hoch zu schrauben: Davon ist auszugehen. 

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Aktuelle nehmen 1.807 Leute das Angebot der Stadtverwaltung an und informieren über diesen Kanal über Schlaglöcher, leckende Hydranten oder andere Dinge.Ob sich derlei Fragen auch in anderen Städten stellen? Mit Sicherheit! Ob auch die Bewohner anderer Städte über diesen Kanal gerne abgeholt würden? Denke schon.

SanFran auf Twitte
Ed Wohlfahrt auf Twitter

Donnerstag, 28. Mai 09

Online-PR unter der Lupe

Darauf, dass die PR-Zukunft maßgeblich digital geprägt sein wird, habe ich hier am Blog bereits mehrfach hingewiesen. Nun bekam ich von Philipp Weber-Diefenbach von der deutschen Agentur Index freundlicherweise die Index Expertenbefragung 2009 zur Verfügung gestellt, die sich genau mit diesen Themen auseinandersetzt. Agenturleiterin Franziska Berge schreibt im Vorwort bezugnehmend auf die Ergebnisse der Untersuchung, dass

"Online-PR bereits heute ein selbstverständlicher und gewichtiger Bestandteil der Kommunikationsarbeit ist. In naher Zukunft wird wohl kaum ein Unternehmen ohne entsprechende Aktivitäten auskommen."

 
Sehen wir uns die Ergebnisse der Studie - deren für mich einziger, jedoch gravierender Wermutstropfen in der geringen Anzahl der Befragten (n=137) liegt - im Einzelnen an.

Online PR im daily business 1

Nach diesen Zahlen zu schließen, spielt die Online-PR in der täglichen Kommunikationsarbeit von PR Agenturen bereits jetzt eine überaus wichtige Rolle. Und darf man den Ergebnissen glauben, so wird die Bedeutung von Online-PR in der Kommunikationsarbeit der nächsten Zeit massiv zunehmen.Online-PR Wichtigste Kanäle


Die wichtigsten Kanäle für die Kommunikaitonsarbeit verwundern wenig. Wer kann mir sagen, was "Mobiles Internet" hier bedeuten könnte? Dass Micro Blogging - obwohl es derzeit so stark abgefeiert wird - von den PR-Verantwortlichen als Kanal eher nachrangig eingeschätzt wird, verwundert ein wenig. Gerade hier liegt imho nämlich irrsinnig großes Kommunikations-Potential. Nach der Studie zu schließen, liegt es derzeit (noch) brach. 

Interessant weiters auch die vorgenommene Unterscheidung zwischen "Unternehmens-Blogs" (als Kanal für 37% wichtig) und "Blogs von Dritten" (als Kanal für 21 % bedeutsam). Könnte man diesen Umstand dahingehend interpretieren, dass Blogs in den Augen der 37% ein wichtiger Kanal sein könnte, um die eigenen Messages bzw. die der Kunden raus zubringen? Kann es sein, dass wir alle immer tendenziell noch mehr an der Verlautbarung als dem nervenaufreibenden und ressourcenverschlingenden online Dialog auf Augenhöhe hängen? Gegen diese meine Einschätzung wiederum würde sprechen, dass der Social Media Release (von einigen Agenturen als Verlautbarungsmedium 2.0 missverstanden)als Kanal für bloß 15 Prozent der Befragen wichtig ist, eher weiter hinten rangiert.

Online-PR Vorteile

Dass Social Media Tools vom Kosten-Nutzen-Aspekt her gut abschneiden liegt auf der Hand. Natürlich nur dann, wenn sie entsprechend zielgerichtet in die Gesamtkommunikation Eingang finden.

Online PR Nachteile 

Dass die Wahrnehmbarkeit hier ganz oben rangiert wundert ich auch. Kann es sein, dass dieser Umstand damit zu tun hat, dass es für viele weniger darum geht, am Dialog teilzunehmen als statt dessen die Botschaften möglichst breit zu streuen (Stichwort: Eyeballs)? Auch der Unklare Nutzen scheint darauf hinzuweisen, dass vielen nicht hinreichend klar ist, dass die online Kommunikaiton, der hier stattfindende Aufbau von Dialogbeziehungen ja mit passion based audiences erfolgt, was eine möglichst breitflächige Wirkung im Sinne von Catch-all so gut wie ausschließt. Wie sehen das die hier versammelten PR-Auskenner?


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Spannend last but not least auch die Frage, wer Online-PR Maßnahmen letztendlich durchführt. Nur 22 % der Befragten machen sich hier selbst "die Hände schmutzig". 22% sind imho ganz schön wenig. Dann nämlich, wenn wir uns nochmals vor Augen führen, wie wichtig die Branche Online-PR offenbar einschätzt. Meiner Meinung passt das irgendwie nicht zusammen. Ist das jetzt wichtig und will sich die PR nun damit selbst beschäftigen, weil PRler online PR Maßnahmen als notwendig, unabdingbar, etc. erachten, oder lassen wir dann, wenn es darauf ankommt doch die anderen machen? Fragen über Fragen. Schönes Wochenende!


Mittwoch, 27. Mai 09

Online-PR: Entängstigung als Schlüssel zum Erfolg

Es sind Presseaussendungen wie diese zum Thema "Unternehmen ignorieren Gefahren des Web 2.0" mich aufhorchen lassen. Erst gestern gab es beim PR-Blogger einen spannenden Post zu den sich ändernden Anforderungen an PR-Profis entstehend unter anderem aus dem sich ändernden Kommunikationsumfeld. Vor einigen Jahren schon sah ich Dr. Othmar Hill in Villach und er sprach in anderem Zusammenhang davon, dass eine der wichtigsten Managementfunktionen für ihn Entängstigung sei. Übertragen auf das sich ändernde Kommunikationsumfeld, in dem Unternehmen und Marken heute kommunizieren müssen, mache ich mir hier so einige Gedanken wenn die Sprache auf Social Media und PR 2.0 kommt.


Negativ Beispiele dominieren
Egal ob Domino's Pizza, die Allianz24, Amazon, Ryanair, die Telekom Austria oder Playmobil, sehr häufig geht es - auch auf diesem Blog - um negative Beispiele. Also darum, was herauskommen kann, wenn online Gespräche nicht gehört oder falsch verstanden oder was immer... werden. Klar geht es den Social Media Auskennern darum, zu lernen. Und dies erfolgt nicht zuletzt anhand von Beispielen, die zeigen, was nicht klappt. Und da gibt es bekanntlich einige Beispiele, wie... ==> und schon wieder ginge es hier um Negatives, zu Vermeidendes, etc. Wo sind die guten Beispiele, wo die toll umgesetzten, integrativen Kampagnen? Diese zu finden und entsprechend darzustellen, das wäre doch viel eher die Aufgabe von Social Media Evangelisten, oder irre ich mich?

Mehr statt weniger Ängste
Je häufiger die Social Media Welt über die Stacheldrahtzäune der Unternehmen klettert oder sogar aus dem Unternehmen heraus (!) an den festgefahrenen Kommunikationsarchitekturen und -abläufen rüttelt, desto mehr verstärkt sich die Angst und desto weniger stressfei und lustvoll ist das Herangehen jener Personen, die intern oder von außen für die Kommunikation von Unternehmen verantwortlich sind. Heraus kommt das klassische Verhalten: Wollen wir nicht, brauchen wir nicht, warten wir ab.

Fehlendes Know-how
Es liegt leider auf der Hand, dass Kunden nicht immer die besten Antworten auf ihre Fragen bekommen, wenn es um Social Media geht. Das Gebiet ist mittlerweile einfach zu breit und zu komplex geworden, als dass ich meinem Webdesigner von nebenan beispielsweise schnell mal die Ausarbeitung meiner Social Media Policy umhängen kann. Das wird so nicht funktionieren. Allerdings denke ich schon, dass es in vielen Agenturen an grundlegenden Fertigkeiten bzw. an Basiswissen rund um das Thema Social Media fehlt. Klar lassen die großen Agenturnetzwerke ihre Berater aus Übersee einfliegen und über Social Media PR etc. parlieren. Was aber bleibt am Ende des Tages übrig? Häufig der alleine gelassene Mitarbeiter der inhouse PR-Abteilung, der an den Einstiegshürden scheitert. Fehlt mir das Know-how, bin ich umso empfänglicher für Ängste. Kenne ich etwa die Kriminalstatistik nicht, und "schau in die Krone", na klar werde ich mich von mordenden und brandschatzenden Kriminellen umgeben sehen und bei mir selbst und anderen schreckliche Ängste entfachen. Insofern spielt für mich Know-how, um wieder auf die Ebene des Sozialen Internets zurückzukehren, eine entscheidende Rolle, wenn PR-Treibende die Angst vor Social Media verlieren sollen.

Zielsetzung Entängstigung
Die Dame die mich unlängst fragt, ob sie auf Holidaycheck "auch ein paar Fotos hineingeben" kann um damit mehr Buchungen zustande zu bringen, blickte mich ganz verwundert an, als sie auf den gratis zur Verfügung stehenden Hotelzugang ansprach. Natürlich benutze sie diesen nicht, kenne diesen ja gar nicht. Na da es sich schon mal gut, dass man zumindest einmal große Angst vor negativen Bewertungen hat. Getraut sich der CEO nicht zu, seine Marke auch über andere Kanäle als die eigene Homepage zu transportieren, sie anderen Ortes ins Gespräch zu bringen, Diskussion zuzulassen oder zumindest zur Kenntnis zu nehmen, DASS diese Gespräche überhaupt stattfinden und für das Unternehmen relevant sind, so sehe ich die große Aufgabenstellung darin, ihm seine nicht unbegründete Angst zu nehmen, sie zu diskutieren und dadurch - wenn möglich - zu entkräften. Mit Hau-Ruck-Methoden der Marke "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben" geht hier mal gar nichts. 

Zielsetzung Lustvolles Herangehen
Der Social Media Zug ist längst noch nicht abgefahren und wird es wohl auch nie sein. Die Frage, wo ich mich als Agentur, als Berater, etc. mit meinem Know-how gerade befinde, wie weit ich mich schon vorgewagt habe im Experimentieren, ist jedoch schon von gewisser Relevanz. Neugierig und vor allem Neuem gegenüber offen zu sein und zu bleiben, sehe ich als eine Grundvoraussetzung von Menschen in Kommunikationsberufen. Damit einher geht ein gewisser Lustgewinn, der aus dem Entdecken von Neuem und konkreten Lernerlebnissen resultiert. Genau diesen Lustgewinn gilt es imho in den Vordergrund zu stellen bzw. darauf hinzuarbeiten. Der (persönliche) Nutzen und das damit einhergehende Aha-Erlebnis (bei MitarbeiterInnen zB) sind die hübschen Geschwister des Lustgewinns. Und die wohnen gleich ums Eck!

Ängsten entgegenzuwirken impliziert Ängste ernst zu nehmen, sie zu hören und zu verstehen. Je länger wir aber Negativen in den Vordergrund stellen, wenn wir über Corporate Social Media diskutieren, je weniger ist davon auszugehen, dass die Chancen und Potentiale sichtbar werden, die Social Media im Grunde für jedes Unternehmen bedeuten. Und die Sichtbarkeit, die Transparenz und das davon ausgehende Verständnis sind meiner Meinung nach der Schlüssel zur verstärkten Anwendung partizipativer Technologien.

Freitag, 08. Mai 09

Unternehmen im Twitter-Blindflug

Seit gestern bin ich ein "Gschichterl" reicher. Ich habe von der Social Media Bruchlandung eines heimischen Unternehmens gehört und möchte diese Case-Study der besonderen Art mit den LeserInnen dieses Blogs teilen. Abschließend aber auch Wege und Möglichkeiten besprechen, wie man sich Social Media Kanäle - in diesem Falle Twitter - als Unternehmen zu Nutze machen kann.


Es geht um den Österreichischen Versicherer Allianz 24 bzw. die angeblich ungewollten Twitter-Aktivitäten, die dem Unternehmen schon einiges Ungemach eingebracht haben. Nehmen wir einfach mal an eine Marke beginnt zu twittern und außer der betreuenden Werbeagentur weiß niemand davon. Nicht das Unternehmen, nicht seine Kommunikationsverantwortlichen, niemand. Die betreuende Agentur weiß davon und sie denk, sie handle im Interesse des Kunden, indem sie Twitter nutzt um eine URL bekannt zu machen. Zu diesem Zweck wurde in den ersten 19 Tweets gleich 14 Mal auf die betreffende Seite verlinkt. Unter anderem mit werbetechnischen Ergüssen der Marke "Prämienersparnis bis zu 40%" oder "Versicherung wechseln leicht gemacht". Das geht voll rein. Auf das will ich aber nicht hinaus.

Allianz Ed Wohlfahrt Twitter

Wer weiß wie es zwischen Agenturen und Kunden manchmal zugeht bzw. zugehen kann, der wird mir zustimmen. Manchmal geschehen Dinge, von denen man denkt, sie wären völlig ok und hätten ohnehin nur das große Ganze zum Ziel. Und sollte dieses lauten eine URL bekannt zu machen. Also wer könnte etwas dagegen haben, wenn man sich zu diesem Zwecke dem Microblogging-Dienst Twitter bedient? 

Böld ist es dann, wenn Medien anrufen und das Unternehmen zu seinen Twitter-Anstrengungen befragen möchte. Allein, das Unternehmen hat keinen blassen Schimmer davon, worum es geht... Das macht gleich mehrfach keinen schlanken Fuss, oder? Was also tun? Ich schlage ein paar einfache, ach was sag ich!, stupide Dinge vor, die jedes Unternehmen gleich umsetzen könnte. Es könnte natürlich auch die betreuende Agentur tun, sofern sie beim nächsten Jour fixe mit der Sprache herausrückt und nicht klammheimlich damit beginnt die Pressestelle links und rechts zu überholen.

#1 Sichern Sie sich den Twitter-Namen zu ihrem Unternehmen. 
Und zwar unabhängig davon, ob Sie dann wirklich aktiv twitter wollen oder nicht. Nur so bleiben Ihnen Twitter-Schicksale wie jenes des Fruchsaft-Herstellers Pago erspart. Mir Paola Gould herumraufen möchte ich mich nämlich nicht. Sie hat sich den Twitter-Nutzernahmen "Pago" gesichert und ist in L.A zu Hause...
Auch der ÖAMTC hat beispielsweise auf YouTube schon schlechte Erfahrungen gemacht. Warum? Weil er zu langsam war!

#2 Beobachten Sie die Twitter-Sphäre nach für Sie relevanten Inhalten
Über Search.Twitter.com oder andere Tools behalten Sie einen leichten Überblick über die hier stattfindenden Gespräche und Aussagen. Niemand hindert Sie hier auch daran, den Mitbewerb im Auge zu behalten, den Markt zu checken oder nach speziellen Kundenwünschen Ausschau zu halten.

#3 Holen Sie sich den Newsfeed der Twitter-Suche auf den Schirm
Wollen Sie nicht jeden Tag Twitter-Suchen durchführen, so empfiehlt es sich, dass sie vom Newsfeed Gebrauch machen, der zu jedem Suchergebnis angeboten wird. In Kombination mit einem RSS-Reader, warum nicht den von Google (Google-Reader) beginnt das sehr schnell Sinn zu machen. Und noch wichtiger: Die Angst, vor sie betreffenden Twitter-Inhalten, die Sie nicht kennen, ist schlagartig vorbei.



Alles andere, gemeint ist die strategische Planung, die zu jedem Social Media Kanal einfach dazugehört, möchte ich hier gar nicht lange ausbreiten. Das kommt vielleicht ein andermal. Aber mit den drei oben genannten Punkten hat man einfach kein Bauchweh mehr bzw. kann ein Fall wie jener der Allianz 24 nicht mehr vorkommen. Man kann so immer noch entscheiden ob man aktiv oder doch lieber passiv sein möchte und das beste: Man braucht dazu keine Social Media Schlaumeier. Das kann man selbst. Geht ganz einfach und ist bloß einen Klick entfernt!

Dienstag, 05. Mai 09

Tourismus 2.0: Blogger Relations auf australische Art

Wenn Marken, Unternehmen oder Destinationen Blogger ansprechen, dann spitze ich die Ohren. Es interessiert mich, wie Unternehmen das tun. Und oft genug muss ich mich wundern, über welche Maßnahmen und Kanäle das mitunter geschieht. Spätestens wenn e-Mails eintreffen, in denen sinngemäß steht "Da Sie ein Blog haben erlauben wir uns..." hat irgend jemand in der Planung seine Hausübung nicht gemacht. 


In den Brisbane Times lese ich nun darüber, dass Tourism Australia Blogger einlädt, zu besonderen Anlässen (Connex zum Thema des Bloggers!) nach Australien zu reisen. Eingeladen werden jedoch nur die wirklich große und einflussreiche und bestens vernetzte Blogger und dies auch nur zu bestimmten - für sie relevanten - Anlässen und Ereignissen.
Worum gehts? Passend zur Fashion Week Sydney wurde beispielsweise Scott Schuman, der Mann hinter dem sehr einflussreichen Blog The Sartorialist nach Australien eingeladen. Und wie man auf seinem Blog sehen kann, hat man wohl den richtigen Blogger angesprochen. Seit 25. April veröffentlichte Schuman auf seinem Blog nicht weniger als 16 Posts und erhielt darauf sage und schreibe gezählte 2.034 (!!) Kommentare. Unter anderem mit Bildern wie diesem hier....

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Da sage ich schon mal ein großes WOW und meine damit natürlich nicht den Bildinhalt. Ich meine den Reach, den Schuman und damit die, die ihn nach Australien eingeladen haben damit erzielen. Wie aus dem Artikel in den Brisbane Times hervorgeht, wanderte für Schuman Kohle über den Ladentisch, was ich grundsätzlich nicht unredlich finde. Schließlich erreicht der Sartorialist-Blog monatlich 3 Mio. LeserInnen und wird der eine oder andere angesichts dieser Bilder doch den Weg nach Down Under finden.

Mit Schuman aber nicht genug. Australian Tourism wird andere Blogger ansprechen und sieht die ganze Aktion als Aufbruch in die Welt der Blogs und Social Media Network Seiten. Und DAS ist es, was ich hier diskutieren will. Die fangen gerade erst an! Auf hohem Niveau natürlich aber wie viel des hier schlummernden Potentials nutzen Destinationen und Regionen in Europa oder gar in Österreich? Klar bestätigen Ausnahmen die Regel aber hier ist nach oben hin noch immer massig Platz. Als nächstes nach Australien kommen sollen der Britische Wildlife Blogger Andy Rouse, die Chinesische Reisebloggerin Yibo Fan oder die deutsche Fotografin und Designerin Julia Knolle.

Das beste jedoch sind die Worte, mit denen der Marketing Verantwortliche von Tourism Australia, Nick Baker seine Strategien in Sachen Online Relations erläutert. "It's about recognising the way in which consumers are changing their attitudes and (where) they gather information". We need to go into spaces where people are going to and where they respect and listen to outside the mainstream media. We are trying to facilitate conversation around the world about Australia".

Hierzulande "läuft" Tourismus einfach anders und Australien ist zudem weit, weit weg, richtig? Oke, ja dann schlaft mal schön weiter!

Dienstag, 03. März 09

Telekom Austria: Reputations-Kill via YouTube

Im Textzeitalter hieß es so schön "Jedes Schriftl ist ein Giftl". Was heißt dieser Ösi-Kauderwelsch? Er meint, dass alles, was in Textform vorliegt, gegen einen selbst verwendet werden kann, sollte es in falsche Hände geraten. Soviel zu Gutenberg.

Heute, im Frühjahr 2009 sind es andere Medienformate, die einem übel mitspielen können. Jüngst öffnete sich die digitale Büchse der Pandora für die Österreichische Telekom, genannt Telekom Austria. In der Form nämlich, dass unhaltbare Aussagen, die der Personalvorstand vom Podium einer Veranstaltung aus tätigte, plötzlich auf der Jedermann-Videoplattform YouTube aufgetaucht waren. Welches Malheur! 



Da hieß es zurückrudern und den Schaden zu begrenzen, so gut es zu diesem Zeitpunkt noch möglich war. Viel ging natürlich nicht mehr, weil es online mittlerweile zum guten Ton gehört, Fundstücke mit dem eigenen sozialen Graphen (also allen Freunden zB auf Facebook oder anderen Netzwerken) abzugleichen und Videos für diesen Zweck auch mal auf der eigenen Festplatte zu sichern. So nach dem Motto "Was ich habe, das hab' ich". Clever ist diese Vorgehensweise in jedem Fall. Nicht selten sind die digitalen Fundstücke nämlich kurze Zeit später vom Server verschwunden, eine Seite offline genommen oder ein Link tot. In Zeiten wie diesen jedoch, und das Telekom Video zeigte diesen Umstand mehr als deutlich, werden Inhalte nicht nur geteilt sondern darüber hinaus verändert, gespeichert und archiviert. Ein Umstand, der nicht zuletzt großen Unternehmen reichlich Stoff zum Nachdenken geben sollte.

Was ist seit dem Auftauchen des Videos passiert? Es ist einmal nicht verschwunden, sondern ist immer noch aufrufbar. Es ist mutiert, also heute in mehreren Versionen abrufbar, die von unterschiedlichen Usern online gestellt wurden. Einen User mit einer Klage zu bedrohen würde also kaum etwas bringen. Und da wäre auch noch der Spillover-Effekt: Die Mainstream-Medien, also vornehmlich Print und TV haben das Thema dankend aufgegriffen und darüber berichtet. Ich selbst hab einen Beitrag in der Österreichischen ZiB 1 und ZiB 2 im ORF und darüber hinaus ein einigen Tageszeitungen gesehen. Und bei Karsten Füllhaas lese ich gerade, dass es das Thema sogar auf die erste Seite der Financial Times Deutschland oder den Schweizer Tagesanzeiger geschafft hat. Auch der Micro-Blogging Kanal Twitter trug und trägt seinen Teil dazu bei, dass sich der Telekom-Brouhaha in Windeseile verbreitete und hier durch entsprechende #Hashtags auch noch Monate später (im Grunde genommen ewig) auffindbar sein wird. Dass Twitter für viele durch die Stern-Funktion auch als Social Bookmarking Tool eingesetzt wird und sich Inhalte dadurch noch tiefer ins kollektive Online-Gedächtnis eingraben können, sei hier nur an Rande erwähnt. Auch hier auf Twitter wurde der Fall von verschiedenen Online-PR Auskennern natürlich entsprechende gecovert. Ebenfalls seinen Niederschlag fand das Thema natürlich in den Blogs. Unter anderem in der Wissenslounge, der Crossmedialen Kommunikation

Interessant beim Fall der Telekom Austria: Berichtet wurde hierbei nicht primär vor dem Hintergrund der Digitalen Reputation des Unternehmens, nicht natürlich auch vor dem von Social Media Policies, wie sie für Unternehmen dieser Größe nur gut, recht und billig sind (nur im vorliegenden Falle so gut wie gar nichts gebracht hätten bzw. auf den konkreten Fall kaum anwendbar gewesen wären). Auch wurde nicht gefragt, wie es sein könne, dass derlei Informationen plötzlich an die Öffentlichkeit gelangen können, nein! In den erwähnten  Berichten ging es einzig um den Inhalt des betreffenden Videos und darum, dass der Personalvorstand der Österreichischen Telekom Anleitungen gibt, wie der Konzern gegenüber MitarbeiterInnen vorzugehen gedenke, die den "Golden Handshake" verweigern. 

Da geht es sehr schnell ums Eingemachte, also um die Reputation, um die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens, das nebenbei auch ein überaus wichtiger Arbeitgeber ist und als solcher natürlich ein vitales Interesse daran haben dürfte, nicht nur für High-Potentials entsprechende Strahlkraft zu haben. Und da macht sich ein solches Video natürlich weniger gut...

Donnerstag, 26. Februar 09

PRVA Studie: Brauchen Klein- und Mittelbetriebe PR?

Der Public Relations Verband Austria (PRVA) widmete sich im Rahmen einer Studie mit der Frage, wie Public Relations in Österreichischen Klein- und Mittelunternehmen verstanden, eingeschätzt und letztlich zur Anwendung gebracht werden. Die Ergebnisse, die vom Markt- und Meinungsforschungsinistitut GfK zusammengetragenen Studie, die auf der Befragung von 300 KMU's in Ganz Österreich im Zeitraum zwischen 12. August und 26. August 2008 basiert, machen teilweise Staunen, stellen für PR-Treibende aber durchaus auch eine gute Möglichkeit zur Erdung dar. 

Zu den Einzelheiten: Rund 81 Prozent der befragten Unternehmen geben an Public Relations zu betreiben, wobei es zwischen Unternehmen mit 10-49 Mitarbeitern (78 Prozent) und Unternehmen über 50 Mitarbeitern (85 Prozent) nur geringe Unterschiede gibt. Auf die Frage, was denn überhaupt alles Public Relations wäre, sind die Antworten breit gestreut. Mit 95 Prozent Zustimmung steht die PR-Maßnahmen Pressemitteilungen / Medieninformationen ganz vorne. Auf den weiteren Plätzen landen Pressemappe und Tag der offenen Tür (87% verstehen darunter PR), Webseite (86%), Pressekonferenz, regelmäßige Journalistenkontakte, Kundenveranstaltungen (alle jeweils 85%) oder die Kundenzeitschrift (84%). 

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Am Ende der Fahnenstange Rangieren das schwarze Brett sowie Mitarbeitermitteilungen, die nur von 45% der Befragten als PR-Maßnahme gesehen werden. Auch das Krisenmanagement wird von den Österreichischen KMU's nicht sonderlich wertgeschätzt. Lediglich 51% sehen darin eine PR-Maßnahme. In Sachen Web 2.0 interessant: Nachgefragt wurde auch das Weblog, das 64% als PR-Maßnahme begreifen. Immerhin 23% der Befragten setzen Blogs in ihrer Unternehmenskommunikation ein. 

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Interessant ist, dass PR in KMU's Chefsache ist. In 55% der Fälle übernimmt hier die Geschäftsleitung die PR und wendet dafür angeblich etwas mehr als einen (!) Arbeitstag pro Woche auf. Die Hälfte der Befragten KMU's gibt an über ein PR-Budget zu verfügen und beziffert es durchschnittlich mit 20.000 Euro pro Jahr. Für mich vor allem auch interessant: Die PR-Aktivitäten Österreichischer Klein- und Mittelunternehmen sind meist kurz- und mittelfristig geplant. Ob es PR-Menschen nun gefällt oder nicht: So sieht es aus!

Fazit: PR wird unter heimischen Klein- und Mittelunternehmen mehrheitlich als kundenorientierte Maßnahme gesehen. Andere Teilöffentlichkeiten gehen bei den PR-Maßnahmen häufig leer aus. So Sackt der Prozentsatz deutlich ab, wenn es um die Frage geht, auf wen der durch PR erzielte Vertrauens- und Reputationsgewinn vor allem abzielt. 88% sehen als primären Adressaten den Kunden, 66% nennen "sonstige Ansprechpartner", 62% Journalisten, 55% Interessensvertreter und nur 49% die eigenen Mitarbeiter. Ein Umstand, der PR-Treibende schon einigermaßen nachdenklich stimmen sollte.

Die Studie sieht bei den KMU's noch großes Potential und das ist gut. In die Hände spucken sollte die PR-Branche aber auch in Sachen Bewusstseinsbildung in Sachen "Was kann - was leistet PR?". Nur 42% der Befragten nämlich halten ihre Kenntnisse von PR für gut oder sehr gut.

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hier die ganze Studie auf Slideshare:


Montag, 16. Februar 09

Playmobil: Unternehmen im Online Gespräch

"Thank you Playmobil for allowing me to teach my 5-year old the importance of recognizing what a failing bureaucracy in a ever growing fascist state looks like" schreibt ein Amazon-User namens Zampano in seine Bewertung dieses Spielzeuges des gleichnamigen deutschen Spielzeugherstellers. Zampano liefert damit Inhalte ab, die die Brandstätter GmbH und ihre Marke Playmobil wohl im ersten Moment aus allen Wolken haben fallen lassen.


Playmobil Web 2.0 Ed Wohlfahrt PR

Seitdem sind einige Jahre vergangen und hat sich ein kleiner, für das Unternehmen jedoch mit Sicherheit lehrreicher Aufschrei durch die Eltern- und Spielzeug-Communities im Internet entfacht. Viele Bewertungen auf Amazon und anderen wichtigen Seiten thematisieren die realistische Darstellung des deutschen Spielzeugherstellers und beschäftigen sich mit dem emotionalen Thema welches Spielzeug für das Kind gut, welches für seine Entwicklung schlecht sei.

Was ist geschehen? Einigen Eltern ist die Darstellung der Charaktere des oben gezeigten Spielzeuges zu real. Sie stoßen sich daran, dass der Hersteller die staatlichen Autoritäten am Flughafen dermaßen detailgetreu darstellt und damit das auch in den USA sensible Thema Staatliche Autorität bzw. Sicherheitskontrollen so wirklichkeitsgetreu in die Hirne der Kleinen einpflanzt. Jetzt werden viele sagen: So ein Schwachsinn bzw. so eine aufgebauschte Geschichte. Nun ja, so kann man das natürlich sehen. Einige Blogger sehen das aber überhaupt nicht so, nehmen Playmobil aufs Korn und schaffen damit online wie offline Fakten. Dies wird nicht zuletzt dadurch klar, dass nun auch die New York Times einen entsprechenden Bericht brachten. Launiger Titel "Playmobil Finds Fun in the Police State". Dies wohl gemerkt Jahre nach dem ersten Auftreten der Kritik.

Playmobil Police State - Ed Wohlfahrt3

Das Beispiel zeigt für mich recht schön auf, dass es aus Sicht des Unternehmens relativ unerheblich ist, ob dritte die Kritik an Produkten nun für gerechtfertigt halten oder nicht. Fakt ist, dass es dazu auf vielen Orten des Internets, darunter in Blogs wie dem bekannten Eltern-Blog Daddytipes von Greg Allen, bereits 2005 kritische Stimmen gab und diese in Summe einen (wenn auch überschaubaren) Kommunikationsbedarf für das Unternehmen darstellten. So wurde das betreffende Produkt bereits von der Produktion ausgesetzt. Was laut Unternehmen jedoch "selbstverständlich" nichts mit den kritischen Stimmen online zu tun habe, so die Unternehmenssprecherin von Playmobil Deutschland, Judith Schweinitz.

Schön sichtbar wird durch das Beispiel Playmobil auch, dass Online Inhalte "nachwirken" d.h. oft erst nach Monaten oder sogar Jahren hochkochen. Dies, weil sie eben erst zu einem späteren Zeitpunkt von Journalisten, Bloggern oder anderen Key-Influencern aufgegriffen werden und so erst mit einer Verspätung ins Bewusstsein der Leute treten. Der Blogpost auf DaddyTipes beispielsweise stammt vom 13. Oktober 2005 (!), die neueste Bewertung auf dieser Amazon-Seite immerhin noch aus dem Februar 2008. Aber erst jetzt berichten die NY Times darüber...

Weiters zeigt sich in diesem Beispiel, dass heute bereits solche, auf der ersten Blick hin doch recht weit hergeholter Kritikpunkt ausreichen, im Internet für großen Gesprächsstoff zu sorgen. Und ich denke ausnahmsweise nicht, dass Playmobil auf einen solchen Kommunikationsfall vorbereitet war. Nicht dass er dermaßen gravierend wäre, doch er ist aus meiner Sicht doch extrem speziell gelagert. Und bekanntlich dümpeln die schönsten Kommunikationsfälle über Monate und Jahre undramatisch vor sich hin, bevor sie dann ihre mitunter zerstörerische Wirkung entfachen. Ein wichtiges Learning für Unternehmen könnte hier also darin liegen, dass in Social Web heute kein Thema zu minder ist, um von einer Passion Based Audience entsprechend nicht thematisiert zu werden. Ein Umstand, der im einen oder anderen Kommunikationskonzept mit Sicherheit Sinn macht.

Dienstag, 20. Januar 09

Online-PR: Ketchum lernt auf die harte Tour

Es ist immer mal wieder gut, Dinge neu zu behirnen. Mal kommt es dazu durch Gespräche, die neue Ein- und Ansichten bringen, mal aber auch durch einen Podcast wie den von Brouhaha, den ich mir heute morgen am Weg in den Job reingezogen habe. Die Social Media Experten Podpimp Alex Wunschel und Wolfgang-Lünebürger-Reidenbach (mann! ich dachte immer "Wohlfahrt" wäre ein schwieriger Familienname...) vom deutschen Ableger der PR-Agentur Edelman,  berichten auf Brouhaha über Desaster der Online PR. Das letzte im Brouhaha-Podcast verbratene Beispiel sei hier kurz angerissen:


Ein angestellter PR-Berater und Social Media Evangelist fliegt in eine US-amerikanische Stadt um hier einen Workshop zu halten. Gleich nach seiner Ankunft am Flughafen hat er im Hotel offensichtlich einige negative Erfahrungen. Der PR-Angestellte twittert kurzerhand, dass ihn die Stadt anödet nämlich so: "True confession but I'm in one of those towns where I scratch my head and say "I would die if I had to live here!"

Fedex Tweet Ed Wohlfahrt 1

Offensichtlich hatte der PR-Berater die Rechnung jedoch ohne seine Twitter-Follower gemacht. Um genau zu sein: Follower die den PR-Angestellten a) kannten b) im betreffenden Workshop saßen und die sich c) dazu aufschwangen eine geharnischte e-Mail an die Chefs der betreuenden PR-Agentur (Ketchum-Interactive) und die Führungsetage von Fedex zu schicken. Irgendwie (...) kam diese eMail nach draußen, wurde hier publik und von einem großen US-Blog aufgegriffen. Nun ist die Kacke am dampfen. Blöderweise ist nämlich der Gründer von Fedex in - autsch! - Memphis Tennessee zu Hause so wie viele MitarbeiterInnen der US-Zustell Nummer-1. Und wenn man weiß, wie viele US-Flaggen auf so vielen Pickups prangen und wie stolz Amis nicht nur auf ihr Land sondern auch auf ihre Städte, Dörfer und lokalen Communities sind, kann man sich vorstellen, dass hier so manchem Fedex-Mitarbeiter gelinde gesagt der Hut hochging. Weiter Infos zum Fall gibt es bei Brouhaha#3

Dass dieses PR-Desaster vom Angestellten einer PR-Agentur, einem ausgewiesenen Social Media Auskenner und Blogger ausging, macht die Sache nur noch interessanter bzw. lehrreicher. Jemand hat nicht aufgepasst, hat zu wenig nachgedacht, ließ seine Finger schneller machen als seine Gehirnwindungen. Und das beste: Es kann jedem von uns passieren. Vielleicht ist es sogar schon vorgekommen! Ich weiß, es sollte nicht sein, wir sind doch die Kommunikations-Experten hier! Fakt ist und bleibt jedoch, dass wir uns im selben verführerischen Rahmen bewegen, in dem jeder in die Tasten hauen und "etwas sagen" kann. Und das vermeintlich unbeobachtet. Doch wie unbeobachtet sind wir in diesem Jeder-redet-mit-jedem-Internet heute noch?

Je nach dem wie erfolgreich das Ego-Marketing gerade läuft, sind es hunderte Zuhörer, denen es ganz und gar nicht (mehr) egal ist, wie wir sie auf Facebook, Twitter oder meinetwegen persönlichen Blogs wegkommen lassen, wie wir ihre Dienstleistungen, Marken, etc. diskutieren. Und das ist gut so. Vor allem, dass mehr und mehr erkannt wird, dass sich Gespräche eben unter anderem virtualisieren, egal ob auf Qype, Holidaycheck, in Podcasts, Blogs oder Google-Groups. Damit aber nicht genug. Die sich virtualisierten Gesrpräche werden und bleiben (!) über Suchmaschinen auffindbar. Über Jahre und - wer weiß?! - vielleicht Jahrzehnte. Die hier stattfindenden Gespräche sind bereits heute wichtig und werden hinsichtlich ihrer Relevanz für die betreffenden Unternehmen und damit die PR-Zunft noch weiter zunehmen. 

Ein Blogpost, ein Tweet, ein Statusbericht auf Facebook ist wie ein abgeschossener Pfeil. Man kann ihn nicht mehr bzw. kaum noch zurücknehmen. Und schnell zeigt sich, dass die "Was machst du gerade"-Medaille auch eine Kehrseite hat. Gesagtes lässt sich kaum noch rückgängig machen, das gilt es zu bedenken. Welche Auswirkungen hat dieser Umstand jedoch auf die Kommunikation von Unternehmen?

Worauf ist bei Kommunikationsarchitekturen zu achten, die den aktuellen Rahmen mitberücksichtigen sollen, in dem heute kommuniziert wird bzw. werden kann? Wie haben die Social Media Policies von PR-Agenturen auszusehen, damit sich so ein Fall nicht wiederholt? Wie die Reaktionsmuster auf einen solchen PR-Gau? Ich kann mir nämlich vorstellen wie sie jetzt aktuell bei Ketchum Interactive aussehen: a) gehörige Kopfwäsche für James Andrews b) wird ihm eine Entgegnung in sein privates (!) Blog diktiert c) Aufstellen neuer Regelungen, die die Angestellten der Agentur wohl eher abschrecken werden, selbst im Social Web aktiv zu werden und die dazu beitragen, dass sie um das Thema wenn möglich einen schön weiten Bogen machen oder - noch schlimmer - anonym damit anfangen weden, sich in der Social Media Sphere zu bewegen, was doch auch nicht der Sinn und Zweck derartiger Policies sein kann, oder? Wie gehen wir um mit unseren Kunden? Followen wir sie auf "Teufel komm raus" auf Xing & Co (wie es ja bereits gang und gäbe ist), weil Kontakte ja Share und Einfluss bedeuten oder treten wir vorher mit ihnen in intensiven Dialog ob das nun gut ist oder nicht, ob sie es wollen oder nicht? 

Unterstützen /fördern wir das Engagement unserer Kunden im Bereich sozialer Medien oder lassen wir uns von derartigen Beispielen derart verschrecken, dass wir all die Möglichkeiten vergessen, die uns die neuen Informations- und Kommunikatiostechnologien des Social Webs im Bereich der strategischen Kommunikation bieten? Ich weiß es nicht. Vielleicht wissen die LeserInnen dieser Zeilen mehr.

Weiter Blogposts zum Thema Online-PR:





Freitag, 02. Januar 09

Auch im Social Web: Weniger ist mehr!

Bin im ausgezeichneten Bernet-Blog gerade über eine interessante Story rund um das World Economic Forum in Davos gestolpert. Es geht um die vielfältigen Anstrengungen der Organisatoren, das Social Web als Dialogplattform zu nutzen.


Da gibt es mal die hochgerüstete Konferenz-Homepage mit so ca. allem, was das Herz nicht nur des Journalisten begehrt. Dann den obligaten YouTube Brandchannel, wobei dieser hier richtig Geld gekostet haben dürfte. Wenn ich die YouTube Session am Brennpunkt eTourism an der FH Salzburg richtig im Kopf habe rund 25.000 Euro. Die Menschen da draußen können den Denkern in Davos ihre Sicht der Dinge in Form von Videos zur Kenntnis bringen. Was gibt es noch? Natürlich Seiten auf Facebook und MySpace. Ich sage das so lapidar, aber hier geht es nicht um einen Bienenzüchterverein sondern um das WEF. Und wenn die in der Social Media Kiste kramen, dann ordentlich... Ein dazupassendes Weblog, ein Flickr und ein Twitter-Kanal runden das reichhaltige Web 2.0 Angebot des WEF ab. Twitter finde ich hier übrigens schön eingesetzt, macht man hier doch beispielsweise auf Video-Reaktionen von Bürgern aufmerksam und liefert ihnen damit Publizität.

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Ich meine die leisten sich sicher die Besten der Besten Berater, Webdesigner, Social Media Typen, Werber und PR-Menschen. Aber! Ich glaube dennoch, dass hier zu tief in der Social Media Kiste gegraben wurde. Und dies ist meiner Meinung nach oft der Fall, wenn Unternehmen Social Media für sich entdecken. Da werden kreuz und quer Accounts angelegt und miteinander vernetzt - manchmal mit nicht nur positiven Folgen für die unternehmenseigene Online Reputation. Frage am Rande: Warum braucht das World Economic Forum einen Auftritt auf MySpace? Klar generiere ich dadurch Traffic und Links und Google-Juice, aber bin ich mit meinen Inhalten hier wirklich richtig? Kann ich hier wirklich jene Leute ansprechen, mit denen hier zu sprechen Sinn hat? Keine ganz leichte Fragestellung, betreffen die in Davos stattfindenden Gespräche doch bekanntlich globale Themen, die eben wiederum ALLE angehen (sollten). 

Neben Unternehmen scheint die bunte Web 2.0 Welt mit ihren schnellen Möglichkeiten, Accounts und Seiten aufzusetzen auch für die Politik eine große Versuchung. Xing, MySpace, StudiVZ. Ach was! Kostet doch nichts! Nehmen wir doch von allen ein wenig! Aus Sicht der Online Kommunikation ist ein wenig Nachdenken, ein wenig Analyse und Struktur zentral. Und insoferne ist Gary Vaynerchuk eben nur zum Teil zuzustimmen, wenn er sagt, dass alle Plattformen relevant sind, solange hier für Unternehmen relevante Gespräche stattfinden.

Ich denke es geht im Bereich der Kommunikation über Social Media Kanäle um eine klare Strategie. Erst wenn ich diese kenne kann ich über die Kanäle nachzudenken beginnen über die ich meine Botschaften (in der Strategie enthalten) transportieren will. Die Konzeptionspraxis aus der Guten alten Offline PR leistet hier mit Sicherheit gute Dienste.

Was in meinen Augen aber noch wichtiger ist: Wenn ich knapp zehn verschiedene Kanäle "bespielen" muss, wenn ich den Leuten da draußen sage, dass sie mich - unter anderem - über betreffende zehn Social Media Kanäle erreichen, darüber mit mir sprechen / interagieren können, so ist dies eine riesige Verpflichtung. Jeder Kanal ist vor diesem Hintergrund mit einer userseitigen Erwartungshaltung verknüpft. Und ich denke, dass sich selbst große Organisationen mit ihrem Social Media Engangement zu viel zumuten können. Zuviel ist nämlich zu viel und lässt sich kaum mehr sinnvoll / werthaltig handhaben. Und vieles davon, was ursprünglich anvisiert wurde, bleibt dann auf der Strecke. Online Gespräche zum Beispiel.


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Ed Wohlfahrt

  • Mag. Ed Wohlfahrt ist selbstständiger PR-Berater in Klagenfurt (Österreich), ehemaliger Obmann des Vereins der Kärntner Freunde des Internets sowie Mitveranstalter der BarCamps Kärnten 2007, 2008 und 2009.

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